Ein für Besucher attraktives Ziel ist die Burg Křivoklát, die Anfang des 12. Jahrhunderts durch Fürst Vladislav gegründet wurde, Foto: Archiv Vydavatelství MCU s.r.o.Prag - Kleinseite, Moldau (Vltava) und Karlsbrücke, Foto: Archiv Vydavatelství MCU s.r.o.Ausblick von Prag nach Nordwesten, Foto: Archiv Vydavatelství MCU s.r.o.Die Schönheit des Landstrichs, der auch Böhmisches Paradies genannt wird, inspirierte viele Künstler, Foto: Archiv Vydavatelství MCU s.r.o.Burg Český Šternberk, Foto: Archiv Vydavatelství MCU s.r.o.Koněprusy Höhlen, das größte Höhlensystem in Böhmen, Foto: Archiv Vydavatelství MCU s.r.o.Das Schloss Mělník und der Turm der Kirche der Hl. Peter und Paul von der historischen Schiffschleuse in Hořín aus gesehen, Foto: Archiv Vydavatelství MCU s.r.o.
Bedeckt
Mo 25.9.
12/13°
Wolkig, Regen
Di 26.9.
12/16°
Bedeckt, Regen
Mi 27.9.
11/20°

Kurz zur Geschichte des Mittleböhmens

Slawen besiedelten dieses Gebiet Anfang des 6. Jahrhunderts n. Chr., wobei sie mehrere Verwaltungszentren errichteten (Roztoky u Prahy, Budeč, Levý Hradec, Šárka und das Gebiet der heutigen Kleinseite in Prag).

Mittleböhmen und die Přemysliden

Das bedeutendste Ereignis in der Geschichte der Region (sowie des gesamten böhmischen Staates) waren die Annahme des christlichen Glaubens durch die Přemysliden Fürsten und die (obwohl mit Gewalt erzwungene) Vereinheitlichung des Landes unter ihrer Regierung. Ab diesem Zeitpunkt wuchs die Bedeutung Prags als dem Machtzentrum von Böhmen stetig an. Die Přemysliden erbauten auf einer Landzunge über der Moldau eine befestigte Burgstätte, die sich im Laufe der Jahrhunderte ausdehnte und in einen einzigartigen Herrschaftssitz umwandelte. Diese Aufgabe übernimmt die Prager Burg bis heute noch.

In der Umgebung der Burg wuchs eine Stadt empor, die sich bereits im zehnten Jahrhundert durch außerordentlichen Prunk und Reichtum auszeichnete. Bis 1306, als das Přemysliden-Geschlecht in männlicher Linie ausgelöscht wurde, veränderte sich die Landschaft (nicht nur in Mittelböhmen) bis zur Unkenntlichkeit: Hunderte von Städten, Städtchen, Dörfern, Burgen, Festungen und Klöstern entstanden. Die meisten davon prägen den Besiedlungscharakter des Landes bis heute.

Mittleböhmen unter der Regierung der Luxemburger

Am Ruhm und der Macht der Herrscher aus der Přemysliden-Dynastie beteiligten sich auf bedeutende Weise seit der Mitte des 12. Jahrhunderts die reichhaltigen Silbervorkommen in der Umgebung von Kuttenberg. Es stieg allerdings auch die Macht des Adels an, die ihre eigenen Festungsanlagen bauten. Die Periode des Aufschwungs setzte sich noch das ganze 14. Jahrhundert unter der Regierung der Luxemburger fort, insbesondere dank Karl IV., dem „Vater des Vaterlandes“ (1316 - 1378). Das 15. Jahrhundert brachte den Tschechen ein Primat - Jan Hus war mit seiner Lehre der europäischen Reformation um mehr als hundert Jahre voraus. Er bezahlte dafür aber mit seinem Leben und Böhmen mit Jahrzehnten voller Kriege, Zerrüttung, Verfall und Entbehrung.

Der Aufstieg der Habsburger

Der Aufstieg der Habsburger (1526) öffnete der Renaissance die Tür, die sich insbesondere in der Architektur äußerte. Die einbruchsicheren und kalten Burgen des Adels begannen sich in komfortable Schlösser mit Schlossgärten umzuwandeln. Der Handel und das Handwerk entwickelten sich, der Einfluss des Bürgerstandes wuchs. Unter der Herrschaft des kunstliebenden Rudolf II. (1552 - 1612) stand Prag am Höhepunkte seiner Entwicklung. Dazu trug auch die von Rudolf garantierte religiöse Toleranz bei. Mit dem Tod des Herrschers verlor allerdings der religiöse Vergleich an Gültigkeit und es setzte sich immer mehr die Bemühung der Habsburger um Zentralisierung, Gegenreformation und Rekatholisierung durch. Sie stoßen an den Widerstand des protestantischen böhmischen Adels. Der Streit eskalierte mit dem Sieg in der Schlacht am Weißen Berg (1620) und der blutigen Rache Ferdinand II. in der Form der Altstädtischen Hinrichtung von 27 Rebellen am 21. Juni 1621. Der europaweite Kriegskonflikt entflammte in voller Kraft und dauerte schließlich 30 lange Jahre an (1618 - 1648). Prag und Böhmen wurden von diesem Konflikt in außerordentlichem Maße getroffen - die Bevölkerungszahl halbierte sich, die Angehörigen des Adels, der Intelligenz und des Bürgerstandes, die nicht den katholischen Glauben annehmen, mussten ihre Heimat verlassen.

Mittleböhmen im Barock

Mit der Gegenreformation und Rekatholisierung kam auch das Barock nach Böhmen, dank dessen viele architektonische Kleinode entstanden (St. Nikolaus Kirche, Statuen auf der Karlsbrücke, Jungfrau-Maria- Himmelfahrtskirche von Santini in Kuttenberg, Sedlec im Stil der Barockgotik u. Ä.).

Die nationale Wiedergeburt im Mittleböhmen

Es folgte das 18. Jahrhundert, das im Zeichen der nationalen Wiedergeburt stand, als Reaktion auf immer stärker werdende Germanisierungsversuche des tschechischen Volkes. Die Aufteilung der Bevölkerung in einen tschechisch- und deutschsprachigen Teil setzte sich nichtsdestoweniger fort und sollte später ein tragisches Ende nehmen.

Mittelböhmen im 20. Jahrhundert

Das neunzehnte Jahrhundert zeichnet sich bereits durch die Bemühungen um eine Erneuerung der tschechischen politischen Rechte aus. Das Ende des Ersten Weltkrieges im Jahre 1918, welches das definitive Ende der Österreichisch-Ungarischen Monarchie bedeutete, brachte dem tschechischen Volk Freiheit und Unabhängigkeit. Das Bestehen der freien Ersten Republik währte jedoch nur kurz. Nach dem Münchner Abkommen im Jahre 1938 kam die Tschechoslowakei zuerst um ihr Grenzgebiet und ein Jahr später, am 15. März 1939, wurde sie durch Hitler Deutschland ganz besetzt. Die neu erworbene Freiheit nach der Befreiung durch die sowjetische und amerikanische Armee im Mai 1945 währte ebenfalls nur kurz.

Im Jahr 1948 kam die kommunistische Wende, die Hoffnung auf eine Verbesserung der politischen Situation Ende der 60- er Jahre wird durch die Besetzung der Tschechoslowakei durch die Armeen von fünf Staaten des Warschauer Paktes vernichtet. Die Demokratie gewinnt in Tschechien erst im November 1989. Im Jahr 1993 gehen die Tschechen und Slowaken nach 75 Jahren gemeinsamer Existenz getrennte Wege.