Ein für Besucher attraktives Ziel ist die Burg Křivoklát, die Anfang des 12. Jahrhunderts durch Fürst Vladislav gegründet wurde, Foto: Archiv Vydavatelství MCU s.r.o.Prag - Kleinseite, Moldau (Vltava) und Karlsbrücke, Foto: Archiv Vydavatelství MCU s.r.o.Ausblick von Prag nach Nordwesten, Foto: Archiv Vydavatelství MCU s.r.o.Die Schönheit des Landstrichs, der auch Böhmisches Paradies genannt wird, inspirierte viele Künstler, Foto: Archiv Vydavatelství MCU s.r.o.Burg Český Šternberk, Foto: Archiv Vydavatelství MCU s.r.o.Koněprusy Höhlen, das größte Höhlensystem in Böhmen, Foto: Archiv Vydavatelství MCU s.r.o.Das Schloss Mělník und der Turm der Kirche der Hl. Peter und Paul von der historischen Schiffschleuse in Hořín aus gesehen, Foto: Archiv Vydavatelství MCU s.r.o.
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Mittelböhmen - Kutná hora (Kuttenberg) und Umgebung

Im Mittelalter war Kuttenberg samt Umgebung das reichste Gebiet des Böhmischen Königsreichs, und zwar dank der hiesigen außerordentlich reichhaltigen Silberlagerstätten, die an der Wende des 13. und 14. Jahrhunderts entdeckt wurden. Sie riefen damals ähnliches Goldgräberfieber hervor, wie Klondike im 19. Jahrhundert - Tausende Schatzgräber strömten damals in diese Region. Die Bevölkerung lebte hier natürlich schon lange vor diesem Ereignis. Dies bezeugen archäologische Funde aus dem 5. Jahrtausend v. Chr., die in der Gemeinde Bylany bei Kuttenberg gefunden wurden: neben einer Sammlung von Venusfiguren, handelte es sich um 134 (!) neolithische Häuser und ein besonderes ringförmiges kultisches Gelände. Vor der Entdeckung des Silbervorkommens standen hier Höfe von Magnaten, von denen die romanischen Kirchen bis heute erhalten sind (Zbraslavice, Vysoká, Uhlířské Janovice mit Gemäldeverzierung, Malín, wo das älteste Münzhaus in Böhmen war, Záboří nad Labem und Hl. Jakob). Die Kirche des Hl. Jakob in der Gemeinde Jakub (Ortsteil der Gemeinde Církvice in der Nähe von Kuttenberg) ist ein außerordentliches Denkmal von europäischer Bedeutung. Die edlen Bauherren – die Gebrüder Slavibor und Paul mit seiner Mutter Maria - ließen sie im Jahre 1165 einweihen. An der Einweihung hat angeblich auch König Vladislav II. mit seinem Hof teilgenommen. Die Statuenverzierung der Kirche bildet nicht nur den Auftraggeber ab, sondern ist gleichzeitig eine mittelalterliche Manifestation der böhmischen Staatlichkeit und der böhmischen Nationalität, die in der Person des bis heute nicht kanonisierten Hl. Prokop dargestellt wird.

Maria-Himmelfahrt-Kirche und Kirche des Hl. Johannes des Täufers in Sedlec

Im 13. Jahrhundert war das im Jahre 1142 gegründete Zisterzienserkloster in Sedlec (heute ein Stadtviertel von Kuttenberg) das geistliche Zentrum dieser Region. Dessen Konventkirche, die Tempel der Jungfrau- Maria-Himmelfahrt und des Hl. Johannes des Taufers, erbaut in den Jahren 1290 - 1320, wurden zu den monumentalsten Tempeln in Böhmen. Es ist das erste Bauwerk vom Kathedraltyp in Tschechien und gleichzeitig das größte Sakralbauwerk. Es werden dort die nordfranzösische gotische Kathedralarchitektur und deutsche Elemente verbunden. Der Bauherr ist nicht bekannt, er wird nur „Meister des Klosters Sedlec“ genannt. Im Jahre 1421 wurden die Tempel sowie das Klosters durch die Hussiten geplündert, wobei sie nahezu 300 Jahre lang zerstört waren. Seinen Ruhm erwarb Sedlec erst mit dem Barock zurück. Einer der originellsten Architekten des 18. Jahrhunderts - Jan Blažej Santini (1677 - 1723) - renovierte in den Jahren 1700 - 1707 das Ensemble mit viel Spitzengefühl im Stil „seiner“ Barockgotik. Bei der Rekonstruktion zerstörte er nichts, was erhalten werden konnte, und ergänzte die fehlenden Teile. Dabei versuchte er nicht zu verschweigen, dass bereits zweihundert Jahre seit der Gotik vergangen sind (von hier kommt auch der Begriff „Barockgotik“, welcher Santinis Stil charakterisiert). Die gegenwärtige Einrichtung der Tempel ist überwiegend barock. Seit 1995 stehen der Tempel (genauso wie das historische Stadtzentrum und die Kirche der Hl. Barbara) auf der Liste des Weltkulturerbes der UNESCO.

Kuttenberg

Die grundsätzliche Wende in der Geschichte Kuttenbergs war der Fund eines reichen Silbervorkommens um 1300. Die bis damals kleine verschlafene Siedlung wandelte sich plötzlich, was die Bevölkerungszahl anbelangt, in die zweitgrößte Stadt des Königsreichs. Am Ende des 13. Jahrhunderts gründete hier König Wenzel II. den sog. Welscher Hof, ursprünglich das zentrale Münzenhaus, das Wenzel IV. am Ende des folgenden Jahrhunderts zu einer Dorfsiedlung umbaute. Der sog. Welscher Hof wurde nach den Fachleuten aus Florenz benannt, die hier bei der Prägung der Prager Groschen assistierten. Wie der Reichtum der Stadt dank der Silberförderung wuchs, erweiterte sich auch der Hof. Die Renaissance und das Barock ergänzten ihn um weitere Details. Von der ursprünglichen Schönheit sind bis heute leider nur Fragmente der gotischen Verzierung erhalten geblieben. Im Welscher Hof verabschiedete Wenzel IV. 1409 die wichtige Urkunde – das Kuttenberger Dekret - welches das Verhältnis der Stimmen auf der Prageruniversität zu Gunsten der Tschechen änderte.

Die in der Nähe gelegene Burg Hrádek aus dem 14. Jahrhundert wurde im 15. und 16. Jahrhundert wesentlich umgebaut, insbesondere durch das Geschlecht der Smíškové von Vrchovišť, der hiesigen Finanzund Grubenunternehmer und Gönner. Hrádek birgt heute ein Museum (www. cms-kh.cz). Vom ehemaligen Reichtum Kuttenbergs zeugen heute viele spätgotische und Renaissancebürgerhäuser. Insbesondere das Steinhaus der Metzgerfamilie Kroupa dominiert dank seiner reichen Steinmetzverzierung vom Meister Brikcí aus den Jahren 1485 - 1495. Die Steinmetzarbeiten, die sich von ihrer Ausführung und der Qualität her mit der Tempelverzierung vergleichen können, machen aus diesem Steinhaus eines der Kleinode der tschechischen Gotik. Ein ähnliches Unikat ist auch der spätgotische polygonale Steinbrunnen aus den Jahren 1493 - 1495, der bei uns keinen Vergleich findet. Für seinen Autor wird Matyáš Rejsek, unter anderem Gestalter des Prager Pulverturms, gehalten.

Kirche der Hl. Barbara

Ein Juwel unter den architektonischen Schätzen Kuttenbergs ist die Kirche der Hl. Barbara. Sie wurde ab 1388 errichtet, der erste Bauherr war jemand aus der Parler-Hütte. Der Bau wurde erst gegen Ende des 15. Jahrhunderts fortgesetzt, als der Architekt Mathias Rejsek das äußere Stützsystem, die Galerie um das Presbyterium ausbaute und den Chor überdachte. Die gegenwärtige Form hat der bedeutendste Architekt der Jagellonen-Ära Benedikt Rejt fertiggestellt. Weil die Silbergruben damals bereits weniger ergiebig waren, musste man auf das Vorhaben verzichten, die größte Kirche in Böhmen zu erbauen. Deshalb errichtete der Architekt anstelle der geplanten fünfschiffigen Kirche nur eine Dreischiffkirche mit Sterngewölbe und Ringrippen. Trotzdem ist eine der schönsten Kirchen in Mitteleuropa entstanden. Das märchenhafte Aussehen der Dächer wurde gemäß den ursprünglichen Konstruktionen einer böhmischen, spätgotischen Besonderheit, der Zeltdächer renoviert. Die Qualität der Architektur entspricht auch die reiche und künstlerisch wertvolle Verzierung der Kirche im Inneren.

Die Verarmung der Stadt nach der Erschöpfung der Silberlagerstätten hatte paradoxerweise auch ihre positive Seite. Der Bauverkehr in der Stadt ließ nahezu nach und Kuttenberg „konservierte“ sich dank dessen in seiner spätgotischen Form. Seine Spuren hinterließ hier aber das Barock, und auch wenn es nur um Kleinigkeiten und Details ging, zählten die Autoren wieder zu den besten Künstlern ihrer Zeit: K. I. Dientzenhofer (Kloster Voršilek aus den Jahren 1733 - 1743), F. M. Kaňka (Kirche des Hl. Johann von Nepomuk aus den Jahren 1734 - 1750), oder Škrétas und Brandls Verzierung der Kirche des Hl. Jakob.

Obwohl Kuttenberg und Umgebung die privilegierte wirtschaftliche Stellung verloren, verloren sie nichts an Attraktivität. Die schöne Landschaft und die fruchtbare Erde lockten auch in der Neuzeit viele Menschen an. Zum Beispiel das in den Jahren 1800 - 1822 erbaute Schloss Kačina, von einem Park mit Statuen umgeben, ist ohne Zweifel das schönste Beispiel des Empire in Böhmen.

Das Schloss in Žleby und sein Englischer Park hingegen stellen eines der typischsten Denkmäler der romantischen Neugotik dar. Die komplizierte bauliche Entwicklung des Schlosses, die ab dem Ende des 13. Jahrhunderts verlief, hinterließ deutliche Spuren. Zum Ruhm des Schlosses trug auch die Waffen-, Keramik-, Möbel- und Gotik- und Renaissancegemäldeund Statuensammlung bei. Am Rande des Schlossparks dehnt sich das Jagdrevier aus, wo Sie im Rahmen von Vorstellungen die Geschichte der Falknerei, Raubvögel und Eulen kennenlernen. Beim Füttern können Sie auch eine Herde wertvoller weißer Hirsche sehen.

Wenn Sie Kuttenberg auch aus der Vogelperspektive bewundern möchten, steht Ihnen der neu eröffnete Aussichtsturm zur Verfügung, und Sie können auch das Restaurant Havířská bouda auf dem Hügel Kaňk besuchen. Der Aussichtsturm aus Kyklop-Steinmauerwerk bildet eine mächtige Plattform für die Aussichtsterrasse und das Kaffeehaus. Der moderne Aufzug macht die Aussichtsterrasse für alle zugänglich, die die 160 Stufen zum dreißig Meter hohen Aussichtspunkt nicht hinaufsteigen können oder wollen.