Ein für Besucher attraktives Ziel ist die Burg Křivoklát, die Anfang des 12. Jahrhunderts durch Fürst Vladislav gegründet wurde, Foto: Archiv Vydavatelství MCU s.r.o.Prag - Kleinseite, Moldau (Vltava) und Karlsbrücke, Foto: Archiv Vydavatelství MCU s.r.o.Ausblick von Prag nach Nordwesten, Foto: Archiv Vydavatelství MCU s.r.o.Die Schönheit des Landstrichs, der auch Böhmisches Paradies genannt wird, inspirierte viele Künstler, Foto: Archiv Vydavatelství MCU s.r.o.Burg Český Šternberk, Foto: Archiv Vydavatelství MCU s.r.o.Koněprusy Höhlen, das größte Höhlensystem in Böhmen, Foto: Archiv Vydavatelství MCU s.r.o.Das Schloss Mělník und der Turm der Kirche der Hl. Peter und Paul von der historischen Schiffschleuse in Hořín aus gesehen, Foto: Archiv Vydavatelství MCU s.r.o.
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Mittelböhmen - Regionen Kladno und Slaný

Das Gebiet nordwestlich von Prag gehört zum Zentrum des ehemaligen Přemysliden- Staates, wo sich den Sagen nach auch das Volk der Böhmen niederließ. Der hiesigen ebenen Landschaft dominiert der „Berg“ Říp, der mit seiner Form nicht den vulkanischen Ursprung verleugnen kann.

Říp

Říp (455,2 m über Meer) ist ein von fern und von vielen Seiten sichtbarer Berg, etwa 4 Kilometer südlich von Roudnice nad Labem. Sein regelmäßiger markanter Berggipfel ragt ca. 200 m über die ebene Landschaft. Der Říp ist höchstwahrscheinlich der denkwürdigste Ort der tschechischen Mythologie, weil der Sage nach der Urvater Tscheche gerade auf diesem Berg Halt machte, auf die Landschaft blickte und das Land das er sah (von Waben und Milch strotzend), zur neuen Heimat für sein Volk wählte. Auf seinem Gipfel ist die romanische Rotunde des Hl. Georg vom Beginn des 12. Jahrhunderts erbaut, welche Přemysliden-Bauten repräsentiert, die ganz am Rande ihres Herrschaftsgebiets erhalten geblieben sind.

Noch vor der Ankunft der Slawen war dieses Gebiet das wirtschaftliche Zentrum der Aunjetitzer und Knovizer Kultur (2400 - 750 v. Chr.). Nahe der Stadt Slaný wurde sogar das „tschechische Stonehenge“ entdeckt - das Heiligtum in Makotřasy, das 4000 v.Chr. erbaut wurde. In einem Quadrat mit 300 m langen Seiten bestehend aus Wällen und Gräben steht eine Reihe von mysteriös lunarisch und astronomisch orientierten Steinen. Auch wenn dieser uralte „Kalender“ nicht so eindrucksvoll ist wie ähnliche Bauten in Westeuropa, weisen seine Abmessungen nach, dass es ein Werk von Menschen derselben Zivilisation ist. Bei Mšecké Žehrovice nahe Kladno wurde wiederum das Heiligtum aus der Zeit 100 v. Chr. entdeckt, eine weltweit bekannte Steinplastik eines männlichen Kopfes - der seltene Nachweis keltischer Kunst. Ihre Kopie können Sie sich heute im Nationalmuseum anschauen, das Original wird aufgrund seines unschätzbaren Wertes nur ausnahmsweise ausgestellt.

Kladno

Bereits für die Kelten war die heutige Region Kladno und Umgebung eine Art Industriegebiet, wo es erste Hütten und Eisengusswerkstätten betrieben wurden. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden Stahlwerke in Kladno, welche das hiesige Schwarzkohlevorkommen ausschöpftenn.

Die Geschichte der Schwarzkohlenförderung im Gebiet von Kladno greift bis in das 3. Viertel des 18. Jahrhunderts zurück, als die Kohle im nordöstlichen Teil der heutigen Stadt gefördert wurde. Im Jahr 1846 wurde ein mächtiges Schwarzkohlenflöz gefunden, was einen enormen Aufschwung in der Kohlenförderung mit sich brachte - bis Ende des 19. Jahrhunderts wurde mehr Kohle in diesem Revier abgebaut als in der Region Ostrava. Im Jahr 1889 wurde das Werk Poldina huť (dt. Poldihütte) gegründet. Ende der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts wird die Förderung schrittweise eingestellt, wobei der letzte Bergwagen mit dem „schwarzen Gold“ am 29. Juni 2002 aus der Grube Schoeller herausgefahren ist. An diesem Tag wurde die Bergbaugeschichte in Kladno abgeschlossen - sie hat 230 Jahre lang gedauert.

Obwohl Kladno ein Synonym für Industrie ist, dank der die Stadt ihren Aufschwung erlebte, hat diese Stadt auch ihre „vorindustrielle“ Vergangenheit. An die Barockzeiten erinnern die Kapelle des Hl. Florian und die Mariensäule am Stadtring. Das Schloss im Spätbarockstil aus der Zeit vor der Mitte des 18. Jahrhunderts ist ganz ersichtlich ein Werk des Bauherrn K. I. Dientzenhofer.

Das Schloss Kladno ist eine der ältesten Bauten in der Stadt, ein kunsthistorisches Denkmal, eine Kulturinstitution und befasst sich mit der älteren Vergangenheit, als das Gebäude selbst. Das dreiflügelige Barockschloss steht an der Stelle des Schlosses der Sahrer von Sahr. Der Umbau fand unter der Herrschaft des Abtes von Břevnov Benno Löbels in den Jahren 1738 - 1740 nach den Plänen von K. I. Dientzenhofer statt. Im ersten Stockwerk wurde die Kapelle des Hl. Laurentius von Rom mit Wandmalereien von J. K. Kovář erhalten. Auch der Wirtschaftshof war ein Bestandteil des Schlosses, von welchem das Gebäude Josífka, Speicher, Ställe und Scheune mit Schlossgarten bis heute erhalten geblieben sind. Ein untrennbarer Bestandteil des Schlosses Kladno ist auch die Galerie. Hier finden Ausstellungen der bildenden Kunst, Vorträge, Solovorstellungen von Sängern oder bildende Workshops für Kinder statt. Im unteren Schlossbereich befindet sich der Stollen - ein simulierter Ortsarbeitsplatz, der an die Tradition des Bergbaus in der Region Kladno erinnert. Das Schloss ist von einem wunderschönen Garten umgeben, in dem regelmäßige Kulturevents veranstaltet werden und wo man einen Blick in den Bärengraben werfen kann, wo die Bärinnen Marta und Míša wohnen.

Slaný

Während Kladno eine relativ junge Stadt ist (13. Jahrhundert), die unweit gelegene ehemalige Königsstadt Slaný ist eine viel ältere Siedlung. Sie liegt im beginnenden fruchtbaren Tiefland des Elbegebiets. Bereits im 12. Jahrhundert wird die Hl. Gotthard Kirche erwähnt, deren heutige gotische Form aus dem 14. oder 15. Jahrhundert stammt. Viele Hausfassaden, die nach dem Brand am Ende des 18. Jahrhunderts renoviert wurden, verstecken gotische, Renaissance- und Barockteile. Von der einst mächtigen Festungsanlage sind nur Fragmente und das spätgotische Velvary-Tor aus dem Jahre 1461 bis heute erhalten geblieben.

Velvary

Die in der Nähe liegende Stadt Velvary ist mit vielen Renaissance- und Barockhäusern und Barockstatuengruppen verziert. Man findet hier die bedeutende gotische Kirche der Hl. Katharina aus dem 14. - 15. Jahrhundert und das Prager Tor im Renaissancestil aus dem Jahre 1580. Slaný und Velvary prosperierten nur bis zum Dreißigjährigen Krieg, dann wurden sie dem Verfall preisgesetzt.

Lidice

Die schwersten Momente ihrer Geschichte erlebten Kladno und Umgebung im Zweiten Weltkrieg. Als Rache für das Attentat auf den Nazioffizier Heidrych löschten die Deutschen die Bevölkerung der Gemeinde Lidice (10. Juni 1942) aus, und sie versuchten den Namen des Dorfes für immer in den Karten zu löschen. Heute gibt es aber ein neues Lidice und am Ort der Tragödie steht ein würdiges Denkmal.