Ein für Besucher attraktives Ziel ist die Burg Křivoklát, die Anfang des 12. Jahrhunderts durch Fürst Vladislav gegründet wurde, Foto: Archiv Vydavatelství MCU s.r.o.Prag - Kleinseite, Moldau (Vltava) und Karlsbrücke, Foto: Archiv Vydavatelství MCU s.r.o.Ausblick von Prag nach Nordwesten, Foto: Archiv Vydavatelství MCU s.r.o.Die Schönheit des Landstrichs, der auch Böhmisches Paradies genannt wird, inspirierte viele Künstler, Foto: Archiv Vydavatelství MCU s.r.o.Burg Český Šternberk, Foto: Archiv Vydavatelství MCU s.r.o.Koněprusy Höhlen, das größte Höhlensystem in Böhmen, Foto: Archiv Vydavatelství MCU s.r.o.Das Schloss Mělník und der Turm der Kirche der Hl. Peter und Paul von der historischen Schiffschleuse in Hořín aus gesehen, Foto: Archiv Vydavatelství MCU s.r.o.
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Mittelböhmen - Regionen Rakovník und Beroun

Im Unterschied zur Region Kladno ist die Gegend um den Fluss Berounka ein bewaldetes und bewirtschaftetes Gebiet. Die gegliederte Landschaft mit zahlreichen Tälern und Schluchten prunkt mit vielen Naturschönheiten, für welche auch die böhmischen Herrscher dieses Gebiet so sehr zu schätzen wussten. Sie nutzten es vor allem zu Jagdzwecken, wobei sie hier mehrere Burgen für sich erbauten. Die wahrscheinlich älteste Burg ist die sagenhafte Burg Tetín, wo den tschechischen Sagen nach Teta siedelte, die Tochter des mythischen Fürsten Krok und Schwester der Fürstin Libuše. Auf Tetín wurde die Hl. Ludmila, die Großmutter des Hl. Wenzel, im Jahre 921 ermordet. An der Stelle, wo angeblich die Burg stand, entdeckten Archäologen tatsächlich Überreste einer slawischen Burgstätte aus dem 8. Jahrhundert, gleichzeitig aber auch eine weitere befestigte, fünftausend Jahre alte Siedlung. Die ursprüngliche romanische Kirche aus dem Jahre 911 wurde mehrmals umgebaut und zum letzten Mal im Jahre 1858 rücksichtslos restauriert.

Ungefähr 15 km südlich von Rakovník befinden sich die Überreste der Burg Týřov, die am Ende des 13. Jahrhunderts erbaut wurde. Es handelte sich damals offensichtlich um eine mächtige Burg, die jedoch im 16. Jahrhundert zu verkommen begann. Heute können wir beim Anblick der Ruine den ehemaligen Ruhm der Burg nur erahnen.

Burg Křivoklát

Ein für Besucher attraktives Ziel ist die Burg Křivoklát, die Anfang des 12. Jahrhunderts durch Fürst Vladislav gegründet wurde. Ab der Mitte des 13. Jahrhunderts führte König Ottokar II. Přemysl bauliche Erweiterungen und Umbauten durch. Am Ende des 14. Jahrhunderts wurden weitere Anpassungen auf Anlass von Wenzel IV. vorgenommen. Während der Hussitenkriege wurde Křivoklát zerstört, und dann, Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts, bauten die Jagiellonen die Burg in die bis heute erhaltene Form um. Die umfangreichen und langwierigen Instandsetzungen liefen in den Jahren 1882 bis 1938 weiter. Die Burgkapelle in Křivoklát zählt mit ihrer Verzierung zu den originellsten spätgotischen Räumen in Mitteleuropa. Die Burg verbirgt eine große Bücherei, die eine der größten Sammlungen dieser Art in Tschechien darstellt. Das merkwürdige daran ist, dass sie im Prinzip von einem Menschen zusammengestellt wurde, von Landgraf Egon I. von Fürstenberg, dem wahrscheinlich größten Buchsammler seiner Zeit.

Im Jahre 1280 wurde die Burg Žebrák erbaut, wobei am Hügel über der Burg 120 Jahre später noch die Burg Točník entstand, der bequeme „Herrschaftssitz zu Erholungszwecken“ Wenzel IV. Tatsächlich handelte es sich eher um ein mittelalterliches Schlösschen als um eine Burg, das seine militärische Funktion nur „vortäuscht“.

Burg Karlstein

Unter all den, zur Entspannung und zum Vergnügen der Herrscher oder zu militärischen Zwecken bestimmten Burgen sticht eine Burg heraus, die zu einem besonderen Zweck erbaut wurde: die Burg Karlstein, die von der Parlerhütte in den Jahren 1348 bis 1357 erbaut wurde. Es wurde überliefert, dass sie zum Zweck der Aufbewahrung der Krönungsjuwelen des Heiligen Römischen Reiches und der heiligen Reliquien entstanden sei. Tatsache ist jedoch, dass Karl IV. dieses Vorhaben erst später fasste. Die Juwelen wurden dann in der Kapelle des Hl. Kreuzes im Großen Turm aufbewahrt. Anfang des 15. Jahrhunderts befanden sich auch die böhmischen Krönungsjuwelen für eine gewisse Zeit hier. Die Burg Karlstein beherbergt bis heute die europaweit umfangreichste Sammlung von Tafelgemälden. Es handelt sich um eine einzigartige Sammlung von 129 gotischen Bildnissen von Heiligen, die in den Jahren 1359 bis 1365 in der Werkstatt des Meisters Theodorik, des Hofmalers von Karl IV. mit italienischen Wurzeln, geschaffen wurden. Die Wände der Kapelle des Hl. Kreuzes sind (ähnlich wie in der Kapelle des Hl. Wenzels im Veitsdom in Prag) mit polierten Halbedelsteinen, vergoldetem Zubehör und Fresken verziert. Die wunderschönen zeitgenössischen Wandmalereien verzieren auch den kleineren Marienturm mit der Kapitelkirche der Jungfrau Maria. An diesen Fresken ist Karl IV. selbst vielmals getreu abgebildet.

Nicht nur Herrscher sondern auch der Adel baute Burgen. Ein Beispiel für eine herrschaftliche Siedlung war die Burg Krakovec, die einer der Höflinge von Wenzel IV., Jíra von Roztoky, in den Jahren 1381 - 1383 erbauen ließ. Unter den Mauern der heutigen Burgruine (die Burg ist seit dem 15. Jahrhundert verkommen), fand der böhmische christliche Reformator Meister Jan Hus Zuflucht.

Das Schloss Králův Dvůr in enger Nachbarschaft von Beroun hatte glücklicherweise ein anderes Schicksal. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts erwarb es die Lobkovic-Dynastie und baute es um, und das Schloss wurde bis Mitte des 19. Jahrhunderts wiederholt umgebaut und verbessert. Im Jahre 1394 wurde hier König Wenzel IV. während von verärgerten Anführern der Herrschaftlichen Union überfallen und gefangen genommen. Das Städtchen Králův Dvůr ist bereits seit dem 14. Jahrhundert als Zentrum der Eisenproduktion bekannt - die erste Hütte gründete hier Karl IV. im Jahre 1346. Später wurde hier auch der erste Hochofen in Tschechien errichtet.

Die Schlösser sind allerdings etwas typischer für dieses Gebiet als die Eisenhütten. Sie werden durch die im Barockstil in die Form eines Alten Schlosses umgebaute Festung und dann durch das Neue Schloss im Spätbarockstil in Hořovice (nach 1709) repräsentiert. Das Neue Schloss wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Empirestil umgebaut, wobei die Rokokoeinrichtung nur im Speisesaal erhalten geblieben ist.

Die Tradition der hiesigen prunkvollen Residenzen, die zur Erholung der Herrscher bestimmt waren, lebt in veränderte Form eigentlich bis heute fort. Bereits der erste tschechoslowakische Präsident T. G. Masaryk errichtete seinen Landsitz im mehrmals umgebauten Jagdschloss Rudolf II. in Lány. Die Neugestaltung und Modernisierung des Schlosses in Lány bis in die gegenwärtige Form führte der slowenische Architekt Josip Plečnik (1872 - 1957) durch. Das ruhige und angenehme Umfeld in Lány gewann auch Präsident Václav Havel lieb.

Svatý Jan pod Skalou hatte von Anfang an eine rein kultische Funktion. Bereits im 11. Jahrhundert stand hier eine Höhlenkapelle, die Břetislav I. dem Kloster Ostrov schenkte. Ab dem 13. Jahrhundert wurde hier gebaut. Der Wallfahrtsort zog viele Wallfahrer zur Höhle des Hl. Ivan und zur Kapelle des Hl. Johann an. Im Jahre 1785, während der aufklärenden Reformen Josef II. wurde das hiesige Kloster allerdings aufgelöst. Trotzdem ist hier ein bewundernswerter Wallfahrtsort mit Barockverzierung erhalten geblieben, an der auch die berühmte Familie Dientzenhofer beteiligt war.

Koněprusy Höhlen

In der Umgebung des Flusses Berounka kann man sehr alte Spuren der menschlichen Tätigkeit finden. Während des Ausbaus der Autobahn D5 Prag - Plzeň wurde zufällig ein Fundort mit Hunderten von Steinwerkzeugen aus der Altsteinzeit entdeckt, die ca. 1,5 Millionen Jahre alt sind. Es handelt sich um die älteste bekannte menschliche Siedlung in unserem Gebiet. In diesem auf Karstformationen reichen Gebiet, das bezeichnenderweise Böhmischer Karst genannt wird, finden wir die berühmten Koněprusy Höhlen. Sie sind ein beliebtes und häufig besuchtes Ausflugsziel, aber auch ein Ort, wo eine doppelte Überraschung auf die Archäologen und Speläologen wartete: sie entdeckten hier eine Falschmünzerei, die in den Jahren 1460 bis 1470 eine Riesenmenge von gefälschten Münzen produzierte. Die Karsthöhle verbarg aber auch Höhlenmalereien, die 15 000 Jahre alte Altsteinzeitfauna darstellen.

Im 2. bis 1. Jahrhundert v. Chr. stand in der Umgebung von Beroun das ausgedehnte (82 Hektar große) Oppidum Stradonice - eine der größten keltischen Siedlungen auf tschechischen Gebiet. Seine Größe sowie die Menge an archäologischen Funden weisen darauf hin, dass sich gerade hier eines der Münzhäuser befinden konnte, welches die berühmten Regenbogenschüsselchen - die goldenen keltischen Münzen (Stater) - prägte. Das Oppidum Stradonice pflegte Kontakte mit dem gallischen Stamm Haeduans (Bibracte bei ht. Autun) und hielt gemeinsam mit der keltischen Siedlung Závist nad Zbraslaví bis zu Beginn unserer Zeitrechnung dem Ansturm der Germanen stand.

Die Region um Berounka versteckt jedoch auch Spuren einer viel älteren Zeit. Im Jahre 1839 führte hier der französische Ingenieur Joachim Barrande (1799 - 1883) Vermessungsarbeiten für die zukünftige Eisenbahn durch. Dabei entdeckte er ungeheuer reichhaltige Fundorte (z.B. in den Gemeinden Skryje, Týřovice) von Fossilien aus dem Urgebirge (Hunderttausende davon schenkte er dem Prager Nationaltheater).

Die Stadt Beroun wurde im Jahre 1295 durch König Wenzel II. gegründet. Viele hiesige Denkmäler wurden durch zahlreiche Brände zerstört, einige von ihnen sind aber bis heute erhalten geblieben, unter anderem zwei Stadttore vom Beginn des 14. Jahrhundert: Das Obere (Pilsner) und Untere (Prager) Tor. Beide wurden aber wiederholt instandgesetzt und angepasst, genauso wie viele Barockhäuser im historischen Teil der Stadt Beroun.

Die Stadt Rakovník ist ein wichtiges Anbaugebiet für Hopfen. Sie wurde durch Kriege und Brände mehrmals beschädigt. Von der ursprünglichen Festungsanlage sind das eindrucksvolle Prager Tor aus dem Jahre 1516 und der Hohe Turm aus dem Jahre 1524 erhalten geblieben. Mit der Ausnahme der Kirche des Hl. Bartholomäus wurde der Rest der historischen Altstadt überwiegend im Barockstil umgebaut.